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Unser kirchliches Leben heute ist geprägt von tradierter volkskirchlicher Frömmigkeit und dem intensiven Bemühen vieler Ehrenamtlicher und Hauptamtlicher, das Evangelium in alle Alters- und Interessengruppen zu vermitteln. Dabei haben sich unterschiedliche Schwerpunkte herausgebildet: Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männern, Kirchenmusik, Seelsorge, erweiterte, neu verstandene Gottesdienstformen und vieles mehr.
Trotz „Wetterau“ und „Land“ spielt bei uns die Landwirtschaft als Vollerwerb kaum noch eine Rolle. Die meisten Menschen sind Arbeits-Pendler. Wir leben im Zeitalter der Mobilität, auch die Schülerinnen und Schüler. Etwas Stabilität und Kontinuität, Halt und Dauer, bietet dabei die Kirchengemeinde.
Von 1965 bis 1997 ist Claudine Geddert Pfarrerin in Bingenheim. Sie ist eine der ersten Frauen im Gemeindepfarramt der Evangelischen Landeskirche in Hessen und Nassau. Doch dieser Punkt hat ihr nach ihrer Aussage „keinen Augenblick Schwierigkeiten gemacht“. 1985 wird Pfarrerin Geddert sogar Dekanin des Dekanates Nidda, ein Stück Emanzipation. Sie ist die zweite Dekanin der hessischen Kirche überhaupt. Als Dekanin baut Pfarrerin Geddert eine Partnerschaftsarbeit mit der indischen Diözese East Kerala mit auf. In dieser Zeit findet ein Wandel des Missionsgedankens statt in Richtung einer echten Partnerschaft, die den anderen ernst nimmt und versteht.
Ende der neunziger Jahre finden trotz aller Kontinuität mehrere Wechsel statt. Nach mehr als 40 Jahren treuem Organistendienst von Claus Lohfink übernimmt 1995 Darius Behrouzi dieses Amt. 1998 wird Burkhard Sondermann als Pfarrer von Bingenheim und Leidhecken gewählt.
Der Kindergottesdienst wird nicht mehr vom Pfarrer, sondern von einem äußerst fähigen Mitarbeiterteam gestaltet. Der Kirchenvorstand – geleitet von einem gewählten Mitglied, nicht vom Pfarrer – ist deutlich verjüngt.
Da die Bingenheimer gesellige Menschen sind, verwundert es nicht, dass Gottesdienste im Freien gerne besucht werden: zu Vereinsjubiläen auf dem Sportplatz, zur Kirmes am letzten Septemberwochenende vor der Kirche, zum Fest des Gesangvereins „Eintracht“ Bingenheim am Himmelfahrtstag im Hanjerwäldchen. Aber auch besondere Gottesdienste in anderer Form, Familiengottesdienste und musikalische Veranstaltungen in der schönen Bingenheimer Kirche werden gut angenommen. Vielen Menschen ist es wichtig, dass in unserer Kirche Gottesdienste gefeiert werden – auch wenn sie nicht unbedingt regelmäßig daran teilnehmen.
Die „Kirche“ ist den Menschen wichtig. Das hat die Anteilnahme an der Dachstuhl- und Außenrenovierung der Bingenheimer Kirche im Jahr 2006 gezeigt.
Umso schwerer wiegen die Pfarrstellenkürzungen in der hessischen Landeskirche aufgrund von schwindenden Kirchenmitgliedszahlen und Finanzen. Ab 2008 wird neben den Kirchengemeinden Bingenheim und Leidhecken die Kirchengemeinde Gettenau zum Aufgabenbereich der Pfarrstelle Bingenheim gehören. Aber durch gemeinsame Treffen der Kirchenvorstände und vor allem dem gemeinsamen Gemeindebrief „Die Brücke“ der Kirchengemeinden Bingenheim, Bisses, Echzell, Gettenau und Leidhecken sind wir auf einem guten Weg aufeinander zu.
So macht uns die Jahreslosung aus dem Johannesevangelium Mut, in der Jesus Christus spricht: „Ich lebe und Ihr sollt auch leben.“
Pfarrer Burkhard Sondermann